Nachhaltiger Konsum und Produktion
Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen – damit heutige und kommende Generationen gut leben können.
Worum geht es global?
SDG 12 zielt darauf ab, unseren Umgang mit Ressourcen grundlegend zu verändern: weniger verbrauchen, länger nutzen, wieder in den Kreislauf bringen. Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sollen sicherstellen, dass die natürlichen Lebensgrundlagen für kommende Generationen erhalten bleiben.
Relevante Teilziele für Deutschland:
- 12.3 – Lebensmittelabfälle pro Kopf im Einzelhandel und beim Verbraucher bis 2030 halbieren.
- 12.5 – Das Abfallaufkommen durch Vermeidung, Verringerung, Wiederverwertung und Wiederverwendung erheblich reduzieren.
- 12.7 – Die öffentliche Beschaffung (auch in Kitas) nach nachhaltigen Kriterien ausrichten.
- 12.8 – Sicherstellen, dass Menschen überall die relevanten Informationen und das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung und einen Lebensstil in Harmonie mit der Natur haben.
Quelle: 17ziele.de – Ziel 12 · sdg-portal.de · sdgs.un.org (Goal 12)
Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft: Bayern setzt auf die Vermeidung von Abfällen, den Ausbau der stofflichen Verwertung und eine nachhaltige öffentliche Beschaffung. Damit sind auch kommunale Einrichtungen – Schulen, Kindertagesstätten, Verwaltungen – angesprochen: Bio-, Regional- und Fair-Handels-Produkte, langlebige Ausstattung sowie Reparatur- und Wiederverwendungsstrukturen sind Teil der Strategie.
Konkret für Kitas relevant: die Landesinitiative „Bio-Regio 2030" (Verpflegung), die Abfallberatung der Landkreise und die Förderung von Repair-Cafés / Umsonstläden im Sozialraum. Kitas sind hier gefragt, gute Praxis sichtbar zu machen.
Hintergrundwissen
Unser aktueller Lebensstil verbraucht mehr Ressourcen, als die Erde regenerieren kann. Würden alle Menschen so leben wie in Deutschland, bräuchten wir rund drei Erden. Nachhaltiger Konsum bedeutet nicht Verzicht als Selbstzweck – er bedeutet, bewusst zu entscheiden: Brauche ich das? Wie ist es hergestellt? Wie lange nutze ich es? Was passiert danach?
Als pädagogische Fachkraft musst du dazu keine Konsumexpertin sein. Wichtig ist die Haltung: Ressourcen sind wertvoll, Dinge sind reparierbar, Wiederverwenden ist kreativ. Das 5-R-Prinzip gibt Orientierung:
- Refuse – Was brauchen wir wirklich nicht? (z. B. Werbegeschenke, Einweg-Plastik)
- Reduce – Weniger, aber gute Qualität.
- Reuse – Verpackungen, Kleidung, Bastelmaterial mehrfach nutzen.
- Repair – Reparieren statt neu kaufen.
- Recycle – Wertstoffe trennen, damit sie zurück in den Kreislauf können.
Das Konzept der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) beschreibt ein Wirtschaften, in dem Produkte so gestaltet sind, dass sie am Ende ihres Lebens nicht Müll, sondern Ausgangsstoff für Neues werden. Kinder verstehen das intuitiv – wenn wir es ihnen vorleben.
Was hat das mit meiner Kita zu tun?
Konsum ist in der Kita täglich sichtbar: beim Frühstück (Verpackungen), beim Basteln (Papier, Kleber, Farben), im Materialschrank (Spielzeug, Bücher, Bewegungsgeräte), beim Wickeln (Einwegwindeln), beim Wickeltisch-Reinigen (Tücher, Reiniger), bei Festen (Give-aways, Deko). Viele dieser Entscheidungen sind Routine – und genau darin liegt die Chance: Wer Routinen bewusst anschaut, findet erstaunlich viele Ansatzpunkte.
Die gute Nachricht: In fast jeder Kita passiert schon viel. Kinder sammeln Kastanien, basteln aus Klorollen, malen auf Rückseiten, tragen Kleidung von Geschwistern auf. Kinder haben einen natürlichen Zugang zum Wiederverwenden – der Karton ist wertvoller als das Spielzeug darin. Diese Haltung nicht auszubremsen, sondern gezielt zu stärken, ist eine der wirkungsvollsten BNE-Aufgaben überhaupt.
Praxisbeispiel: Upcycling-Werkstatt & Spielzeug-Tauschtag
Beispiel aus der KiA-Handreichung · Autorin/Kita: zu ergänzen vor Veröffentlichung
In der Kita wurde eine feste Upcycling-Werkstatt eingerichtet: ein Regal mit Kartons, Deckeln, Stoffresten, Korken, Klorollen und Verpackungen aus Familien. Die Kinder greifen selbstständig zu und entwickeln Ideen – aus Milchtüten werden Vogelfutterhäuser, aus alten T-Shirts Puppenkleidung, aus Verpackungen Wimmelbild-Kulissen. Fachkräfte begleiten, aber lenken nicht.
Einmal im Jahr findet ein Spielzeug-Tauschtag statt. Kinder bringen ein gut erhaltenes Spielzeug mit und dürfen ein anderes mitnehmen. Die Familien erleben, wie viel Freude die „gebrauchten neuen" Sachen auslösen – und dass Wertschätzung nicht am Preisschild hängt.
Der Effekt ist doppelt: Kinder erleben Ressourcen als kostbar und wandelbar – und die Eltern sehen, dass Nachhaltigkeit im Alltag freudvoll gelebt werden kann.
Was Kinder dabei lernen (Kompetenzen)
Der Alltag rund um Konsum und Wiederverwendung stärkt Kinder in mehreren Kompetenzbereichen des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans (BEP) und der Gestaltungskompetenz nach BNE:
- Vorausschauendes Denken – Kinder fragen, was danach mit Dingen passiert. „Was wird aus dem Karton, wenn ich ihn nicht mehr brauche?"
- Perspektivwechsel & Empathie – Was wird gebraucht, was nicht? Wer hat es gemacht? Wie wäre es, ohne diese Sache zu leben?
- Kreativität & Problemlösen – Aus Vorhandenem Neues entwerfen; improvisieren statt konsumieren.
- Naturwissenschaftliches Verstehen – Materialien unterscheiden (Papier, Plastik, Metall, Bioabfall), Kreisläufe erkennen.
- Selbstwirksamkeit – „Ich kann etwas reparieren", „Ich kann aus wenig etwas Schönes machen" – Erfahrungen, die Resilienz stärken.
- Werte & Wertschätzung – Dinge und Ressourcen wertschätzen; Konsum reflektiert erleben, nicht selbstverständlich.
Umsetzung mit den Kindern
Handlungsformate für Alltag, Projekte und Ausflüge – ressourcenschonend und ohne großen Materialaufwand.
Alltagsintegration (täglich)
- Mülltrennung mit Bildern – klar beschriftete, farbige Sammelstellen mit Fotos; Kinder ordnen selbstständig zu.
- „Rückseite zuerst" – für Malen und Basteln immer erst bedruckte Rückseiten nutzen.
- Reparatur-Ritual – kaputte Puzzle, Bücher, Kleidungsstücke werden gesammelt und gemeinsam repariert, statt weggeworfen.
- Wasser- und Papierhandtücher bewusst dosieren – Kinder lernen, was „genug" bedeutet.
Projektideen (U3 & Ü3)
- Kartonstadt (Ü3) – aus Verpackungen wächst über Wochen eine Stadt mit Straßen, Häusern, Läden. Rollenspiel inklusive.
- Wo kommt das her? (Ü3) – ein Alltagsgegenstand (Apfel, T-Shirt, Papier) wird „rückwärts" erkundet: vom Regal bis zum Ursprung.
- Naturmaterial statt Kaufmaterial (U3) – Zapfen, Kastanien, Steine, Stöcke als Bau- und Zählmaterial; keine gekauften Spielsachen nötig.
- Kita-Flohmarkt – Kinder und Familien bringen Spielzeug, Bücher, Kleidung; Erlös geht in ein Nachhaltigkeitsprojekt der Einrichtung.
Ausflüge & Sozialraum
- Besuch beim Wertstoffhof oder bei einem Repair-Café.
- Führung durch einen Unverpackt-Laden oder einen Umsonstladen in der Nachbarschaft.
- Waldtag mit dem Auftrag: „Wir bringen nichts mit – wir nutzen, was da ist."
Am-Riff-Impulse: Nachhaltiger Konsum
Diese Impulse sind angelehnt an das BNE-Lernspiel „Am Riff" – gefördert vom Bundesministerium als Beitrag zur Implementierung des Referenzrahmens für frühkindliche Bildung. Der genaue Wortlaut aus den Aktionskarten wird vor Veröffentlichung geprüft (vgl. offene Fragen im Seitenraster).
Was habe ich heute schon in die Hand genommen? Was davon war neu, was gebraucht? Wie viel davon wird morgen noch da sein – wie viel im Müll?
Welche Dinge in unserer Kita sind schon lange bei uns – und warum? Was erzählen sie? Wo kommen unsere Bastelmaterialien her, wo landen sie danach?
Was können wir in der nächsten Woche nicht neu kaufen, was wir sonst gekauft hätten? Was können wir stattdessen tauschen, reparieren, teilen oder weiterverwenden?
Mehr Impulse und Materialien: bne-portal.de
Selbstcheck: Wie ressourcenschonend arbeitet unsere Kita?
Hake die Punkte ab, die bei euch bereits Praxis sind. Kein Test – ein Ausgangspunkt für das nächste Teamgespräch. In Moodle wird diese Übung als H5P-Aktivität umgesetzt.
Konsum-Check für die Einrichtung
- Wir trennen Müll sichtbar und mit Bildern – Kinder ordnen selbstständig zu.
- Bastel- und Alltagsmaterial nutzen wir bewusst mehrfach (Rückseite, Restestücke, Sammelboxen).
- Wir haben eine Upcycling-Ecke oder Materialkiste aus Verpackungen der Familien.
- Wir reparieren defektes Spielzeug, Bücher, Kleidung – gemeinsam mit den Kindern.
- Bei Neuanschaffungen prüfen wir: Brauchen wir das wirklich? Gibt es gebraucht?
- Wir bevorzugen Bio-, Regional- und Fair-Trade-Lebensmittel in der Verpflegung.
- Wir verzichten bewusst auf Give-aways und Werbegeschenke bei Festen.
- Wir organisieren mindestens einmal jährlich einen Tausch- oder Flohmarkttag.
- Wir binden Familien in Nachhaltigkeitsthemen aktiv ein (Elternabend, Aushänge, gemeinsame Aktionen).
- Wir haben in der Nachbarschaft mindestens einen Ort besucht, der Kreislaufwirtschaft sichtbar macht (Wertstoffhof, Repair-Café, Unverpackt-Laden).
Klicke die Punkte an, die auf eure Kita zutreffen – die Auswertung erscheint hier.
Reflexion für Kita-Beschäftigte
Reflexionsfragen – der Wortlaut aus dem Bundesmaterial (Becker-Stoll u. a.) wird vor Veröffentlichung eingesetzt.
- Wie viel Einweg- und Wegwerfmaterial nutzen wir tatsächlich – und wo fällt es uns gar nicht mehr auf?
- Worauf achten wir bei Neuanschaffungen zuerst: Preis, Qualität, Herkunft, Langlebigkeit – und wer entscheidet das?
- Welche Konsumgewohnheiten lebe ich selbst den Kindern vor – und was möchte ich davon bewusst verändern?
- Wo begegnet mir kindliche Kreativität mit „einfachem Material" – und wie oft schneide ich sie ab, weil ich schnell etwas Neues bereitstelle?
- Was wäre ein konkreter „To Do" für uns bis zum nächsten Teamgespräch – ohne Budget, ohne Genehmigung?
Materialien & Medien
Erklärvideo: Ziel 12 – Nachhaltige/r Konsum und Produktion (Kinderuniversität)
Kurzes, kindgerechtes Erklärvideo der Kinderuniversität zu SDG 12. youtube.com
Konsum umdenken (Stiftung Kinder forschen, 2021)
Themen-Broschüre zu BNE und nachhaltigem Konsum in der frühkindlichen Bildung – mit Praxisimpulsen und Hintergrundwissen. Kostenlos. stiftung-kinder-forschen.de (PDF)
Kaufen oder nicht kaufen? (Klima-Kita-Netzwerk)
Kompakte Broschüre mit Kauf-Nichts-Ideen und Reflexionsanstößen für Team und Familien. klima-kita-netzwerk.de (PDF)
Nachhaltig durchs Kitajahr (Klima-Kita-Netzwerk, 2023)
Jahresbegleiter mit konkreten Aktionen von Januar bis Dezember – ideal für Teams, die schrittweise starten möchten. klima-kita-netzwerk.de (PDF)
Klimaschutz und Klimaanpassung in Kindertageseinrichtungen (Paritätischer Gesamtverband, 2023)
Handreichung für Träger und Leitungen – mit einem eigenen Kapitel zu Beschaffung und Konsum in der Einrichtung. cloud.paritaet.org
BLLV-Nachhaltigkeitskalender & Einkaufshilfe
Kalender mit einer Nachhaltigkeitsidee pro Woche und Einkaufshilfe für Familien – niedrigschwellig und alltagstauglich. bne-kalender.bllv.de · bllv.de/bne
BNE-Lernspiel „Am Riff" (BMBF / bne-portal.de)
Spiel- und Aktionskartenset für Fachkräfte der frühkindlichen Bildung – mit Impulsen zu allen 17 SDGs. Bestellung: Koordinierung-BNE@dlr.de · bne-portal.de